Mut zum Loslassen – Samhain

    Samhain markiert als keltisches Schwellenfest den Übergang in ein neues Jahr und steht symbolisch für die durchlässige Verbindung zwischen den Welten der Lebenden, der Toten und des Unsichtbaren. Es lädt dazu ein, Altes bewusst loszulassen, den Ahnen zu gedenken und sich dem Wandel mit Respekt, Achtsamkeit und innerer Bereitschaft für Erneuerung zu öffnen.

    Impulstext

    Samhain ist das wichtigste der acht großen heidnischen Jahresfeste und das erste der Mondfeste. An diesem Abend begann im keltischen wie im nordischen Glauben das neue Jahr. Da die Feste Schwellen- bzw. Wendepunkte oder starke Veränderungen im Jahreszyklus markieren, sind zu diesen Zeiten die Grenzen zwischen den Welten der Lebenden, den Toten und dem Feenvolk sehr durchlässig. An solchen Tagen sind die normalen Gesetze aufgehoben.

     

    Samhain, das keltische Hochfest rund um den 31.10. ist der interkalendarische Tag, also jener Tag, von dem die Märchen sprechen, wenn erzählt wird von einem Jahr und einem Tag. Dieser zusätzliche Tag ergibt sich aus dem Mondkalender und wird somit ein Tag außerhalb des Jahres, ein Tag, der kein Tag ist, eine Zeit, die außerhalb der Zeit steht. Samhain ist die Zeit zwischen der Zeit und damit zwischen den Welten. Deswegen sind die Schleier zwischen den verschiedenen Welten, der Anders-, der Mittel- und der Unterwelt so dünn, dass sie in Kontakt miteinander treten können. 

     

    So ist Samhain vor allem das Fest der Elben/Feen und Verstorbenen, die in dieser Nacht auf Erden wandeln. Den Toten sind 48 Stunden gewährt, in denen sie ihre Angehörigen besuchen dürfen. Die Kelten, aber auch die nordisch-germanischen Völker suchten die ehemaligen Lieblingsplätze der Verstorbenen auf (seltener ihre Gräber, die häufig tabu waren oder Ängste vor Widergängern weckten). Dort wurde der Toten gedacht oder ein kleines Opfer dargebracht.

     

    In den kriegerischen Zeiten der Kelten, Wikinger und Germanen wurde für die gefallenen Waffenbrüdern und -schwestern ein Trinkspruch ausgebracht, verstorbenen Familienmitgliedern der Respekt der Sippe bezeugt und verstorbener Freundinnen und Geliebter gedacht. Es war Sitte, Geschichte über die Götter zu erzählen, vor allem über jene, die auf die eine oder andere Art mit dem Totenreich in Verbindung standen. Auch berichtete oder sang man über die Verstorbenen und hielt so ihr Andenken und ihre Taten wach. Oftmals wurde ihnen an der Festtafel ein Platz freigehalten. Man legte ein Gedeck für sie auf den Tisch mit ihrem einstigen Geschirr (sofern dieses nicht zu den Grabbeigaben gehörte und daher zuvor zerbrochen und dann ins Grab gelegt worden war) und füllte Brett und Becher mit den Lieblingsspeisen und Getränken der Verstorbenen. Anderswo richtete man den Toten im Freien ein Festmahl, vor allem der Wilden Jagd.

     

    Überall in Europa war die Wilde Jagd bzw. der Umzug der wandernden Seelen bekannt. Sie begann mit Samhain und endete mit den Raunächten am 6.1.

     

    Die wilde Jagd wird nicht nur von männlichen Göttern angeführt, auch die Cailleach, Freya, Holle und die Percht reiten über den nächtlichen Himmel. Im keltischen Raum wird der Zug vom Wehgeheul der „Banshee“ begleitet. „ban“ bedeutet Frau und „sidhe“ ist die andere Seite, das Jenseits, die Anderswelt, aus der die weißen Frauen herüberkommen, um das Schicksal zu verkünden.

     

    Sinkt die Sonne am Abend von Samhain, so müssen alle Spinnräder ruhen. Frau Holle, Freya und die Percht sind die Göttinnen der Spinnkunst und daher auch, in Dreiergestalt, die Schicksalsfrauen. Spinnt eine Frau in dieser Nacht und achtet nicht der obersten Ahnfrau, so ist ihr nichts als Unglück beschieden, wenn sie es überhaupt überlebt. Im Allgemeinen sollte alle Frauenarbeit in dieser Zeit ruhen.

    Katharina Linhart

    Katharina Linhart ist Schamanin, Wegbegleiterin und Ausbilderin mit einer tiefen Verbundenheit zur Natur, den alten Weisheitslehren und der inneren Entwicklung des Menschen. Seit vielen Jahren begleitet sie Menschen dabei, ihre wahre Kraft wiederzuentdecken, alte Muster zu lösen und ihren eigenen Seelenweg bewusst zu gehen.
    Mit ihren Ratgebern möchte sie altes Wissen verständlich und alltagstauglich weitergeben – als Inspiration, Orientierung und Einladung, der eigenen Intuition wieder zu vertrauen und den eigenen Weg mit Klarheit, Mut und Herz zu gehen.

    Erfahre mehr über mich »

    Das könnte dich interessieren

    Stachelschwein

    Sanfte Stärke, gesunde Grenzen & der Mut, Dich zu schützen
    Das Stachelschwein wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Hinter seinem...

    Gottesanbeterin

    Innere Stille, weise Wahrnehmung & die Kraft des richtigen Augenblicks
    Wer einer Gottesanbeterin begegnet, hat oft das Gefühl, sie würde...

    Wespe

    Klare Grenzen, Gemeinschaft & der Mut, Du selbst zu sein
    Erscheint die Wespe als Krafttier, erinnert sie Dich daran, Deinen...

    Mistkäfer

    Innere Navigation, kluge Selbstfürsorge & der richtige Moment
    Der Mistkäfer gehört zu den stillen Meistern der Natur. Auf den ersten...

    Lösungsstärke

    Lösungsstärke ist kein Ziel, sondern vielmehr ein Weg, den Du in Deinem Tempo gehen darfst, wenn Du dazu bereit bist....

    Die stille Meisterschaft

    Wahre Selbstdisziplin bedeutet nicht, Impulse zu unterdrücken, sondern bewusst zu entscheiden, welchen Du folgst. Zwischen Reiz und Reaktion entsteht ein...

    Der gezähmte Fluss

    Kontrolle kann Sicherheit und Orientierung geben, doch wenn sie zum Lebensprinzip wird, verhindert sie Vertrauen, Lebendigkeit und Entwicklung. Wahre innere...

    Disziplinierte Distanz

    Wahre Stärke zeigt sich darin, bewusst zu wählen, was Du an Dich heranlässt. Disziplinierte Distanz bedeutet nicht, Dich von der...

    Gemeinsam wachsen

    Wahre Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich gesehen, beteiligt und in ihrer Einzigartigkeit wertgeschätzt fühlen. Wer mit Klarheit, Vertrauen und...

    Der klare Blick im Nebel

    Wahre Klarheit entsteht durch eigenständiges Denken. Wer innehält, Informationen kritisch prüft und der eigenen Wahrnehmung vertraut, statt sich von Angst,...

    Die stille Kraft des genauen Hinsehens

    Wirkliches Hinsehen beginnt mit dem Innehalten. Wer sich Zeit nimmt, aufmerksam nach innen und außen zu schauen, erkennt Zusammenhänge, Bedürfnisse...

    Wahre Größe erkennt die Größe anderer

    Wahre Größe entsteht nicht durch Vergleich, Konkurrenz oder Überlegenheit, sondern durch innere Sicherheit und Bewusstheit. Wer mit sich selbst verbunden...