Schritte der Ruhe

Schritte der Ruhe lassen Gelassenheit im Alltag entstehen.
In einer Welt, die Geschwindigkeit belohnt, wirkt Ruhe fast wie ein Luxus. Doch Ruhe ist kein Zustand, den man erreicht, wenn alles erledigt ist. Sie ist eine Art zu gehen, und Schritt für Schritt das eigene Leben im eigenen Tempo zu bestreiten.
Ruhe beginnt schon vor der Handlung, denn dieser kurze Moment des Innehaltens sortiert und richtet aus. Dieser Art der Aufmerksamkeit gibt Dir den Raum Deine Schritte angemessen zu wählen und wie schon Peppo der Straßenkehrer in Momo sagte: „Besenstrich für Besenstrich!“ – also Schritt für Schritt.
Ruhe wächst, wenn Du aufhörst, das Unveränderliche zu bekämpfen. Akzeptierst Du das was ist, dann ist es keine Resignation, sondern Klarheit. Wenn Du lernst, Deine Schritte ruhiger zu setzen, fühlt sich Dein Weg leichter an.

Impulstext

Die Schale aus Ton

Am Rand eines Dorfes lebte einst ein Töpfer, dessen Hände ruhig waren wie ein stiller See. Jeden Morgen trug er eine Schale aus Ton zum Fluss, um Wasser zu holen. Die Schale war schlicht, ohne Muster, doch sie lag sicher in seinen Händen.

Eines Tages fragte ihn ein junger Mann:
„Warum benutzt du immer dieselbe Schale? Sie ist alt, rissig und könnte jederzeit zerbrechen.“

Der Töpfer lächelte. „Gerade deshalb.“

Der junge Mann verstand nicht und beschloss, den Töpfer zu begleiten. Auf dem Weg stolperte er über Steine, ärgerte sich über den Wind und fluchte über die Hitze. Das Wasser in seiner neuen, glänzenden Schale schwappte über den Rand, bis kaum noch etwas übrig war.

Der Töpfer ging ruhig weiter. Seine Schritte waren langsam, sein Blick weich. Als sie den Fluss erreichten, war seine Schale noch immer gefüllt.

„Wie ist das möglich?“, fragte der junge Mann. „Deine Schale ist schlechter als meine.“

Der Töpfer hielt sie ins Licht. „Sie ist nicht besser. Aber ich habe gelernt, mich nicht gegen den Weg zu wehren. Ich gehe mit ihm.“

In diesem Moment bekam die alte Schale einen feinen Riss mehr – doch sie zerbrach nicht.
Und der junge Mann begriff: Nicht die Schale hält das Wasser, sondern die Ruhe der Hand, die sie trägt.

Seitdem suchte er keine stärkeren Gefäße mehr, sondern einen ruhigeren Schritt.

Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich dir heute vor allem eines mitgeben: Gelassenheit. Gerade in einer Zeit voller Umbruch, Aufbruch und Neubeginn – in der so vieles neu geordnet werden will – ist sie ein wesentlicher Anker.

Bleib in dieser inneren Ruhe und frage dich bei dem, was du tust: Muss das jetzt wirklich sein? Ist es wirklich dran? Höre dabei auf deinen Körper – er ist dein Werkzeug und spricht mit dir. Wenn du benennst, was dich bewegt, und den Dingen einen Namen gibst, kehren Ruhe und Klarheit in dein Sein zurück.

Ich wünsche dir eine wunderbare Woche – begleitet von Gelassenheit, innerer Ruhe und einem achtsamen, ruhigen Schritt.

Katharina Linhart

Katharina Linhart teilt in ihren Artikeln Erfahrungen aus vielen Jahren der Begleitung von Menschen und verbindet diese mit Impulsen zu aktuellen Themen sowie mit Erklärungen zu den jeweiligen Zeitqualitäten. Sie möchte Dich ermutigen Deine Stärken zu erkennen, Deine Schwächen liebevoll zu integrieren und jene inneren Türen zu öffnen, die bisher verschlossen schienen.

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